Im Dienste der Verbraucher

Ein typisches Beispiel für mein Verständnis von Verbraucherjournalismus:

 

Mein Freund Wilhelm vollbrachte das Wunder, seinen seit Jahren bewährten Nobelkorkenzieher, einen Leverpull LM-200, zu himmeln: Beim Versuch, einen im Flaschenhals scheinbar angeklebten Korken aus einer alten Flasche zu ziehen, betätigte Wilhelm die patentierte Hebelmechanik derart kraftvoll, dass das Leichtmetall-Spritzgussteil brach, das seine Kraft eigentlich auf die Korkenzieherspirale übertragen sollte.

Als Wilhelm mir Tage nach diesem Kraftakt recht frustriert den demolierten Korkenzieher präsentierte, erinnerte ich mich daran, dass dieses Luxusgerät doch mit einer sehr umfassenden Garantie ausgestattet war. Weil Rechnung und Originalverpackung fehlten, recherchierte ich im Internet. Schnell hatte ich herausgefunden, dass die Kirchheimer Firma „Le Creuset GmbH“ inzwischen für die Marke „Screwpull“ und damit für eine Reparatur von Wilhelms LM-200 zuständig war. Ich nahm Kontakt zum Kundendienst auf und schickte auf dessen Wunsch das defekte Leverpull-Exemplar ein. Und siehe da: Es dauerte nicht einmal zwei Wochen, bis mir der Postbote ein Paket brachte. Darin befand sich ein nagelneuer, originalverpackter LM-200, mit dem ich wenig später Wilhelms Vertrauen in dieses Qualitätsprodukt wiederherstellen konnte. Auf dem Karton stand unübersehbar: „10 Jahre Garantie“. Die Tatsache, dass diese Garantie wohl nicht nur in diesem Fall trotz fehlender Rechnung und Originalverpackung absolut kulant gewährt worden ist, überzeugte meinen Freund Wilhelm und mich, dass es sich bei diesem Werkzeug tatsächlich um ein Qualitätsprodukt handelt, dessen hoher Preis auch durch perfekten Kundendienst gerechtfertigt wird. Ein billiges Plagiat aus Fernost, als Schnäppchen bei einem Werbemittelversand geschossen, wäre Jahre später bestimmt nicht kostenlos ersetzt worden.

Fazit: Schön, dass es solche Firmen wie die „Le Creuset GmbH“ in unserem Land noch gibt, die zu ihren Qualitäts- und Garantieversprechen stehen, ohne Reklamationen unter an den Haaren herbeigezogenen Vorwänden abzuwimmeln.                                           Norbert Krupp, Wöllstein

 

(erschienen im April 2010 im Online-Magazin der "Weinfeder")

 

 

Club Aldiana verlässt Bad Griesbach

Ende Juni 2010 beauftragte mich die Allgemeine Hotel- und Gaststättenzeitung (AHGZ) mit einem spanndenden Thema. Hier der von mir verfasste Beitrag:

 

Aldiana zieht Schlussstrich in Bad Griesbach

 

BAD GRIESBACH. Der erste deutsche Klub, den Aldiana im April 2009 in Bad Griesbach (Niederbayern) im ehemaligen Fünf-Sterne-Hotel „König Ludwig“ eröffnet hat, wird schon bald der Vergangenheit angehören. Die Club Hotel Aldiana Bad Griesbach GmbH, eine Tochter der Aldiana GmbH in Oberursel, kündigte den zehnjährigen Pachtvertrag mit der A. Hartl Resort GmbH & Co. Holding KG und wird das Management der Anlage zum 15. August 2010 einstellen. Die Hoffnung des Thermalbades, mithilfe von Aldiana jüngere Gästeschichten zu erschließen, platzt damit wie eine Seifenblase.

 

In einer Pressemitteilung erklärte Peter Wennel, der Handlungsbevollmächtigte der spanischen Aldiana-Holding „Grupo Santana Cazorla S. A.“: „Die Marke Aldiana steht für höchste Qualität in allen Bereichen. Kann eine Anlage diesen hohen Standards nicht in allen Punkten umfassend entsprechen, ziehen wir die Konsequenzen.“ In welchen Punkten das für rund sieben Millionen Euro renovierte und umgebaute „König Ludwig“ nicht den Standards von Aldiana entsprach, will die Pressestelle des Unternehmens nicht verraten.

 

Das in Bad Griesbach gescheiterte Konzept hieß „Sport, Wellness und Kinder“. Dafür erhielt das ehemalige Luxushotel mit 186 Zimmern eigens für Aldiana eine Diskothek, eine größere Bar, einen Wintergarten für Events, einen Miniclub sowie ein Restaurant fürs tägliche Show-Cooking. Dennoch sollen viele Gäste wohl mit zu hohen oder anderen Erwartungen angereist und dementsprechend unzufrieden heimgefahren sein, war in Fachkreisen zu erfahren. Etliche Reisebüros sollen diese Unzufriedenheit ihrer Kunden zu spüren bekommen haben. Vor diesem Hintergrund habe Aldiana nach rückläufigen Buchungszahlen wohl keine Chance gesehen, die Probleme in Bad Griesbach in den Griff zu bekommen. Beim Hotelbewertungsportal „HolydayCheck.de“ steht das Haus derzeit nach 37 Bewertungen immerhin bei 4,8 von 6 Punkten und einer Weiterempfehlungsrate von 92 Prozent.

 

„Mit diesem Schritt ist die Bereinigung unseres Portfolios abgeschlossen. Im Rahmen unserer Markenstrategie konzentrieren wir uns nun auf unser Premiumprodukt und entsprechen somit allen Wünschen und Ansprüchen unserer Gäste“, verspricht Peter Wennel.

 

Aldiana, die bis zum Einstieg des spanischen Mehrheitsgesellschafters (2005) eine 100-prozentige Tochter des Touristik-Unternehmens Thomas Cook war, definiert sich als Klubanbieter im Premium-Segment und bietet hochwertig ausgestattete Klubhotels an beliebten Reisezielen an.

 

Der Geschäftsführer der A. Hartl Resort GmbH & Co. Holding KG, Bernd Bürgl, zeigte sich „etwas überrascht“ von der Entscheidung Aldianas und deren Timing. Dem aus Österreich stammenden Tourismusfachmann erscheint es „sehr verwunderlich, wenn man mitten in der Saison aufhört.“ Qualitätsprobleme oder andere Mängel seien bisher nicht das große Thema gewesen, wohl aber die unbefriedigende Auslastung der Anlage. Sein Unternehmen werde juristisch prüfen lassen, ob Aldiana einseitig einen langfristigen Pachtvertrag beenden dürfe. „So einfach wird’s net gehen“, glaubt Bürgl. Er geht aber davon aus, dass Aldiana den Klub schließen wird und will deshalb mögliche Alternativen für das Objekt abklopfen. Allerdings sei es unmöglich, auf die Schnelle einen anderen Betreiber zu finden. Bürgl deutete an, dass ein Management-Wechsel bei der spanischen Holding Hintergrund der Entscheidung sein könnte. Spanien ist bekanntlich von der weltweiten Wirtschaftskrise besonders hart getroffen …

 

Mehrheitsgesellschafter und maßgeblicher Kreditgeber von Hartl Resort ist Dr. Hans-Dieter Cleven, einer der reichsten Schweizer, der schon Konzerne wie Metro und Völkl gemanagt hat. Anfang Mai hatte er in einem Interview mit der „Passauer Neue Presse“ berichtet, dass bereits 15 Millionen Euro in die drei Hartl-Hotels in Bad Griesbach investiert wurden. Im „Maximilian“ wurden 60 Zimmer und der Eingangsbereich renoviert, im „Fürstenhof“ wurden der Eingangsbereich und die zweite Therme vergrößert. Weitere Projekte stellte Dr. Cleven in Aussicht. „Bad Griesbach hat 800.000 Übernachtungen verloren – die müssen ja irgendwo geblieben sein“, sagte der passionierte Golfer mit Handicap 18, der alljährlich vier Wochen Urlaub im Golfer-Paradies Bad Griesbach verbringt. 2009 wurden hier noch 900.000 Übernachtungen registriert. Dr. Cleven glaubt an die Regel, nach der alle drei Jahre eine neue Gästeschicht erschlossen werden muss, um das erreichte Niveau zu halten. Er will das Bad Griesbacher Publikum deutlich verjüngen und setzt auf Golfurlaub und Wellness für drei Generationen.        Norbert Krupp

 

 

Dazu Service-Kasten:

 

Aldiana bietet Gästen, die bereits einen Aufenthalt in Bad Griesbach nach dem 15. August gebucht haben, eine kostenlose Umbuchung auf seine Klubs Salzkammergut oder Hochkönig an. Bei einer Umbuchung auf Flugziele müssen der verlängerte Aufenthalt und die Anreise allerdings zusätzlich bezahlt werden. Besonderes Bonbon: Bei einer Umbuchung auf den Aldiana Makadi Bay wäre der Flug sogar gratis.

Begegnung mit Jancis Robinson

Frauen sind von der Natur gesegnet

 

Britische Weinautorin Jancis Robinson sprach bei „Vinissima“ über ihren Berufsweg

 

„Hätte ich in der Schule doch mehr für mein Englisch gebüffelt“, wird sich so mancher der Zuhörer vorgeworfen haben, als er beim 13. Vinissima-Forum im Bad Kreuznacher „Haus des Gastes“ eine Stunde lang erleben durfte, wie sich die britische Weinautorin Jancis Robinson in feinstem „Oxford-English“ über „Die Rolle der Frauen in der Weinkritik“ ausließ. Sie habe es nie als Nachteil empfunden, sich als Frau in der Weinwelt zu bewegen, und sie sei auch deshalb nie diskriminiert worden, erklärte sie gleich zu Anfang des ebenso interessanten wie amüsanten Vortrags.  Inzwischen seien etwa 40 bis 50 Prozent der englischen Weinkritiker Frauen. Sie seien von ihrer Physiognomie her für diesen Beruf prädestiniert, denn die Natur habe sie mit einer sehr guten Sensorik zum Verkosten gesegnet. Wissenschaftliche Untersuchungen hätten belegt, dass sich unter Frauen mehr „High-Power-Taster“ befänden als unter Männern.

 

Frauen näherten sich den Weinen viel unverkrampfter als Männer. Denn für diese erweise es sich oft als schwierige Aufgabe, beim Essen mit dem Chef oder mit Geschäftspartnern den passenden Wein zu ordern. Robinson verglich dieses Problem mit der für Männer oft dramatischen Frage: „Welches Auto soll ich fahren?“ Männer entschieden sich mitunter für eine Investition in Weine, von deren Besitz sie sich eine attraktive Rendite versprechen. „Das Sammeln von Wein verkommt so zum Sport“, ärgert sie sich.

 

Dagegen freuten sich Frauen darauf, Wein zur Entspannung zu genießen und sich von ihm überraschen zu lassen. Sie seien auch so souverän, einen mit 80 Punkten bewerteten Wein den Vorzug zu geben vor einer Flasche, die 95 Punkte bekommen habe. Der gemeinsame Genuss von Wein ist Robinson viel angenehmer, als das Thema Wein längere Zeit in den Mittelpunkt der Konversation zu stellen.

 

Nach ihrer Ausbildung zum „Master of Wine“ sei ihr sehr schnell bewusst geworden, dass ihr dieses Wissen allenfalls als Grundlage dienen könne und sie diese Basis durch enorm viel zusätzliches Wissen und Erfahrungen erweitern müsse, erinnerte sich Robinson.

Die Themenbereiche Wein und Essen hätten in den vergangenen Jahrzehnten in Großbritannien enorm an Bedeutung gewonnen: „Die Engländer sind regelrecht einer Liebe zum Wein verfallen“, berichtete die Autorin des „Weinatlas“ von Hallwag. Aber auch weltweit lasse sich feststellen, dass die Faszination durch den Wein zugenommen habe. „Ich hätte nie gedacht, dass dieses Thema mich eines Tages auch nach Asien führen würde“, räumte Robinson ein.

 

Gezwungenermaßen habe sie sich vor etlichen Jahren eine eigene Homepage zugelegt. Inzwischen habe es sich zu einer ihrer wichtigsten Aufgaben entwickelt, diesen Webauftritt (http://www.jancisrobinson.com) fast täglich zu pflegen.

 

Robinsons erstes Buch kam eigentlich durch einen Zufall zustande: Sie hatte eine Wein-Serie für eine große englische Tageszeitung vorbereitet, die aber nicht veröffentlicht wurde, nachdem eine antialkoholisch geprägte Investorenfamilie den Verlag übernommen hatte. Weil sie schon viel Arbeit in die Artikel investiert hatte, bot es sich an, diese für ein Buch zu verwerten. „Bei meiner Karriere waren viele Zufälle und viel Glück im Spiel“, bilanziert Jancis Robinson, die seit 1981 auch zahlreiche Fernsehsendungen produziert hat, zurückblickend.

 

Robinsons größtes Werk war das „Oxford Weinlexikon“: „Es kostete mich fünf Jahre, dieses Buch mit 800.000 Wörten zu füllen“, erinnert sie sich an diese Mammutaufgabe. Sie empfand es als große Ehre, als die Universität von Oxford, an der sie einst selbst studiert hatte, dieses Angebot an sie herantrug.

 

„Ich bin ein typisches Samstags-Kind“, beschrieb Robinson ihren eigenen Typ, in Anlehnung an ein englisches Sprichwort, nach dem die Geburt an einem bestimmten Wochentag Einfluss auf das spätere Leben nimmt. „Samstags-Kinder arbeiten hart für ihr Leben, aber sie lieben auch die Ferien.“ Sie sagt: „Wenn es Zeit zum Arbeiten ist, dann arbeite ich hart. Und ich liebe es!“ Die große Selbstdisziplin, die ihre typisch britische Art dennoch charmant ausstrahlte, ließ keinen Zweifel aufkommen, dass dies wirklich so ist.

 

Robinson ermunterte ihre Zuhörer, sich gegen den Bau einer weiteren Moselbrücke zu engagieren: „Noch ist es nicht zu spät. Der Reiz des Moseltales ist ein Schatz.“ Ähnlich äußerte sich die Engländerin bereits in einem Leserbrief auf einen entsprechenden Artikel der Fachzeitschrift „Der Feinschmecker“.

 

Am Ende ihrer fesselnden Ausführungen sprach sich Robinson gegen jeden Alkoholmissbrauch aus, wie er beispielsweise von jungen Menschen inzwischen beim „Kampftrinken“ exerziert werde. Ein moderater Weinkonsum verspreche dagegen Genuss und Lebensqualität. Von einem männlichen Zuhörer nach ihrem eigenen Weinkonsum gefragt, gestand Robinson, pro Jahr etwa 10.000 Proben zu verkosten und auszuspucken. In der Regel trinke sie ein, zwei Gläser Wein am Tag. „Bei einem ausgiebigen Abendessen können es aber auch schon mal sechs werden“, räumte sie ein. Für alle Fälle lässt sie alljährlich ihre Leber checken.

 

In diesem Zusammenhang berichtete Robinson von ihrer Großmutter, die gehört hatte, dass zu viel Gin schädlich sein könne: „She switched to whisky!“ Die Weisheit des Alters …        Norbert Krupp, Wöllstein

 

 

(erschienen im April 2010 im Online-Magazin der "Weinfeder")